Linz
Ö1/ORF 2009
Warnt / empfiehlt 2009
Diagonal warnt vor: Linz
Im letzten Herbst war ich in einem slowakischen Städtchen, das sich für die Europäische Kulturhauptstadt 2013 bewarb. Es trug den gleichen Namen wie ich, Martin. Man verteilte Kinderballons mit der Aufschrift „Martin 2013“. Martin bestand aus recht wenig: ein paar Pizzerien und Eisdielen, ein bewachter Parkplatz, eine kurze Fußgängerzone. Es lag auf der Hand, dass die Bewerbung dieses Fleckens zum Scheitern verurteilt war. Martin ist ja nicht Linz! Martin ist höchstens so groß wie Steyr. Steyr hat allerdings was Imperiales Martin höchstens was Futterales. Selbst ein Martin, wäre ich prinzipiell natürlich für das slowakische Martin eingetreten, aber angesichts seiner Winzigkeit spürte ich fast körperlich, wie sich der Gedanke „Kulturhauptstadt“ für mich diskreditierte. Mein Opfer: das arme Linz! Obwohl ich früher immer gerne dorthin gekommen war, beschloss ich nach meinem Martinerlebnis, Linz 2009 zu meiden. Ich schleppte meinen Martin-2013-Luftballon heim, der nun schlapp an der Wand hängt und mich vor den Kulturhauptstädten und ihren kläglichen Aspiranten warnt: Martin soll nicht Linz werden, Linz soll nicht Martin sehen.
Diagonal empfiehlt: Die Glühbirne
Die EU will ein ehrliches Produkt verbieten: die Glühbirne. Die Birne mit dem guten alten Wolframfaden, an der man sich die Hände wärmen kann, wird zum Opfer der Beleuchtungsmultis, unser Licht wird seinen warmen Glanz verlieren. Energiesparlampen sind ein schlechter Ersatz: Sie strahlen kein durchgehendes Lichtspektrum aus, dadurch leuchten die Farben milchig-trüb bis verfälscht grässlich für Ästheten, Maler, geschminkte Frauen, und für alle, die das Essen auf ihrem Teller gerne anblicken. Bei der Entsorgung der teuren Energiesparlampen fällt zudem Quecksilber an. Auch ist ihre Lichtausbeute nur unwesentlich besser als die der Glühbirne, 25% gegenüber 5%.
Wer glaubt, das sei Ersparnis, bedenke, dass Haushalte nur ein knappes Fünfzigstel ihrer Energie für Beleuchtung verbrauchen, drei Viertel fließt in die Raumwärme. Die wahren Energiefresser wie Wäschetrockner oder Klimaanlagen verbietet aber keiner. In der „Lichtausbeute“ weist die Kerze übrigens eine deutlich schlechtere Bilanz auf als die Glühbirne. Sie ist aber kein direktes Konkurrenzprodukt deshalb gibt es noch keine Bestrebungen, Kerzen zu verbieten.